Seit 20 Jahren auf dem Weg und der Marathon geht weiter

7. September 2022
Das Label Energiestadt ist nicht das Ziel, sondern der Weg: Seit zwei Jahrzehnten arbeitet die Gemeinde Herisau daran, sich in kleinen Schritten stetig zu verbessern. Schon bald steht der nächste Meilenstein an.

Seit 20 Jahren darf sich die Gemeinde Herisau Energiestadt nennen. Die im Alltag augenfälligste Folge daraus sind wohl die Tafeln an den Ortseingängen. Doch das Prinzip Energiestadt hat in Herisau in den letzten zwei Jahrzehnten viel tiefere Spuren hinterlassen. Denn nach dem Erlangen des Labels kann sich eine Gemeinde nicht einfach auf den Lorbeeren ausruhen. Vielmehr ist der Titel ein Bekenntnis, sich im Sinne eines Qualitätsmanagementsystems stetig für die Reduktion des CO2-Ausstosses einzusetzen, erklärt Hans Jörg Blaser. Als Fachbereichsleiter Umweltschutz der Gemeinde Herisau ist er auch Themenhüter für das Label Energiestadt.

Ziel ist eine steigende Quote
Diese Anstrengungen werden durch den Verein Energiestadt in regelmässigen Re-Audits bewertet; der nächste steht in diesem November an. Dabei wird ermittelt, wie viel die Gemeinde in den Themenfeldern Entwicklungsplanung und Raumordnung, kommunale Gebäude und Anlagen, Versorgung und Entsorgung, Kommunikation und Kooperation, interne Organisation sowie Mobilität innerhalb ihres Handlungsspielraums erreicht hat. Wird mindestens die Hälfte der möglichen Punktzahl erreicht, wird das Label erneut verliehen. «Unser Anspruch ist aber, dass wir uns stetig verbessern, wie auch das Energiekonzept festhält», sagt Hans Jörg Blaser. Und das ist Herisau in den Jahren 2006 (von 54 auf 59 Prozent), 2011 (62 Prozent) und 2014 (63 Prozent) gelungen, trotz steigender Anforderungen. Nur 2018 stagnierte der Wert, soll nun aber wieder gesteigert werden.

Das Thema Energie immer mitdenken
Jede Gemeinde kann ihre eigenen Schwerpunkte setzen, je nach ihren Voraussetzungen. Herisau, das keine eigenen Werke hat, kann beispielsweise im Themenfeld Versorgung und Entsorgung weniger Akzente setzen, als städtische Gemeinde hingegen umso mehr im Bereich Mobilität, etwa mit der Förderung des Langsamverkehrs sowie des ÖV. Laut Hans Jörg Blaser ist es am Ende die Summe an kleinen Massnahmen, die das Gesamtergebnis ausmachen. So hat die Gemeinde Herisau auf verschiedenen Gebäuden Photovoltaikanlagen installiert und schon vor Jahren bei mit Gas beheizten Gemeindeliegenschaften den Anteil an Biogas auf 20 Prozent erhöht. Im Alterszentrum Heinrichsbad – damals noch ein Gemeindebetrieb – wurde eine Holzschnitzelfeuerung eingebaut und auch die stetigen Energiesparmassnahmen, welche das Sportzentrum ergreift, tragen zur Bewertung bei. «Das Energiestadt-Label erinnert daran, bei jeder Gemeindeaufgabe den Aspekt Energie mitzudenken», sagt Hans Jörg Blaser.

Energiefragen prägen auch die Ortsplanung
Für die nächsten vier Jahre wird die Gemeinde Herisau in Abstimmung mit dem Verein Energiestadt wieder einen Massnahmenplan festlegen. Darin wird beispielsweise die Ortsplanungsrevision eine wichtige Rolle spielen, für die neu ein Energierichtplan nötig ist, dessen Erarbeitung wiederum eine Aktualisierung des Energiekonzepts erfordert. Ausserdem wird auch der Masterplan Energie, der bis Ende Jahr das Potenzial der lokal verfügbaren Energiequellen wie Holz, Abwärme aus Industriebetrieben oder der ARA aufzeigen soll, in den Massnahmenplan für das Energiestadt-Label einfliessen. 

Weitere Informationen unter www.herisau.ch/energiestadt

Hilfe beim Stromsparen
Stromsparen ist ein wichtiger Beitrag, den jede und jeder Einzelne leisten kann, um die globale Klimaerwärmung zu stoppen. Der sparsame Umgang mit Elektrizität ist im Zuge des Krieges in der Ukraine noch grösser geworden. Einfache, aber effektive Tipps zum Stromsparen – vom Ogi-Ei bis zur richtigen Kühlschranktemperatur – geben der Bund
(www.nicht-verschwenden.ch) und der Verein EnergieAR/AI (www.energie-ar-ai.ch). Dieser ist zudem die richtige Anlaufstelle in allen Energiefragen.

Fachbereich wird aufgestockt
Die Bedeutung und die Komplexität von Energiefragen sind in den vergangenen Jahren immer mehr gewachsen. Dadurch haben die Aufgaben insbesondere im Fachbereich Umweltschutz zugenommen. Durch die hohe Arbeitslast konnten bislang erst wenige Massnahmen aus dem Energiekonzept 2017–2025 umgesetzt werden. Weitere Ressourcen erfordert die Überarbeitung des Konzepts für die Periode ab 2025 und die laufende Ortsplanungsrevision. Der Gemeinderat hat deshalb im Mai eine Aufstockung des Fachbereichs Umweltschutz um 80 Stellenprozent bewilligt. Die Stelle wird im November besetzt.

Hans Jörg Blaser
Hans Jörg Blaser

Zugehörige Objekte

Name
A224420.00_ADAG_dH_Gemeindeseiten_WEB.PDF Download 0 A224420.00_ADAG_dH_Gemeindeseiten_WEB.PDF