«Ich bin stolz auf Menschen, die sich engagieren»

7. Januar 2026
Gemeindepräsident Max Eugster blickt im Interview zurück und voraus. Er benennt Herausforderungen zu Finanzen und Veränderungen in der Gesellschaft und freut sich über die vielen Anlässe in Herisau. Er wünscht sich, dass die Bevölkerung weiterhin zu einer positiven Entwicklung beiträgt.

Herisau 2025: Was ist noch in Ihrer Erinnerung?
Wir sind in mehreren Bereichen vorangekommen, zum Beispiel beim Neubau Bahnhof oder beim Projekt Obstmarkt 2.0. Bei diesem sind die Spezialisten jetzt an der Ausarbeitung, bevor der Projektantrag an den Gemeinderat erfolgt. Das erste Projekt an der Nordhalden nimmt Formen an. Zudem hatten wir 2025 das Kantonale Musikfest, das 50-Jahr-Jubiläum der Berufsunteroffiziersschule (BUSA) und Eishockey-Länderspiele im Sportzentrum. Ich sehe immer wieder: Bei Anlässen interessiert sich unsere Bevölkerung, schaut vorbei. Das ist auch schön für die Leute, die sich im Dorfleben so aktiv engagieren. Emotional sicher beschäftigt hat viele Personen nochmals die Schliessung der AG Cilander vom Jahr zuvor, als sie den Film im Kino gesehen haben. 

Was beschäftigte und beschäftigt Sie in politischer Hinsicht besonders? 
Die unberechenbare wirtschaftliche Entwicklung. Was bedeuten die Vorgänge in den USA und in Deutschland für die hiesigen Arbeitsplätze und die Steuern? Die Firmen und die Gemeinde stehen in gegenseitiger Abhängigkeit. Offen ist auch, welches die Auswirkungen der Entlastungsprogramme auf Bundes- und Kantonsebene für die Gemeinde sind. Und noch dies: Natürlich hätten wir gerne, wenn es manchmal schneller gehen würde – etwa beim Sandbühl hinter dem Gemeindehaus, in der Nordhalden oder im Casinopark. Aber die Gemeinde ist auch Einflüssen von aussen ausgesetzt.

Wie nahe wollen und müssen Sie als Präsident und Finanzchef der Gemeinde am Neubauprojekt Bahnhof-Busplatz sein?
Ich bin sehr nahe dran. Es ist das grösste Herisauer Bauprojekt der letzten und wohl auch nächsten Jahrzehnte. Die Gemeinde hat zwei Projektgruppen, die ich präsidiere. Die eine ist die Projektsteuerung für das Bauprojekt der Gemeinde. Die andere zeichnet für die weitere Arealentwicklung am Bahnhof mit allen Partnern verantwortlich. Dies sind nebst der Gemeinde der Kanton Appenzell Ausserrhoden, die Schweizerische Südostbahn AG, die Appenzeller Bahnen AG, die Regiobus AG und die Post Immobilien AG.

Herisau erwartet für 2026 einen Ausgabenüberschuss von 1,66 Millionen Franken. Die Nettoverschuldung pro Einwohnerin und Einwohner steigt auf knapp 5000 Franken. Wie gehen Sie damit um?
Verantwortlich für den höheren Aufwandüberschuss sind vor allem zunehmende Kosten für Ergänzungsleistungen AHV und IV, die ambulante Krankenpflege und die Pflegefinanzierung. Diese können wir nicht beeinflussen. Wir dürfen aber bei den Steuern Mehreinnahmen erwarten und konnten in anderen Bereichen günstiger budgetieren.Die Nettoverschuldung wird tatsächlich zunehmen und wir stehen immer noch in einem Investitionstau aus früheren Jahren, vor allem für Sanierungen, Erneuerungen usw. 

Aber der Nettoverschuldung steht auch eine Zunahme des Vermögens gegenüber ...
Ja, dies ist der Fall, weil wir in die Infrastruktur der Gemeinde wie Gebäude, Strassen und Anlagen investieren. Zudem schreiben wir schneller ab, als es die Nutzungsdauer zulassen würde. Und wir wägen in jedem Projekt ab: Wann ist der richtige Zeitpunkt, um etwas zu realisieren, bevor die Kosten enorm steigen würden? Die Gemeinde setzt im Rahmen der Möglichkeiten alles daran, dass die Infrastruktur auf einem guten Stand bleibt, dass wir sie weiterentwickeln können. Wir wollen attraktiv bleiben und stehen auch in Konkurrenz mit anderen Gemeinden. Aber wir nehmen die steigende Verschuldung ernst, für uns ist sie ein sehr wichtiger Gradmesser in unserer Finanzstrategie.

Wie spüren Sie die Veränderungen in der Gesellschaft?
Allgemein stelle ich fest, dass leider der Umgangston rauher geworden ist. So ist auch die Arbeit in den Amtsstellen anspruchsvoller geworden, die Leute sind zunehmend fordernder, ungeduldiger. 

Erleben Sie auch, dass in der Politik vieles in Frage gestellt wird, ohne zu Lösungen beizutragen?
Ja, diese Tendenz spüre ich auch. Eine vertieftere Auseinandersetzung mit Themen wäre oft wünschenswert. Auch das Thema Fake News beschäftigt die Gemeinde und mich. Damit verbunden sind die Fragen, welchen Kanälen heutzutage noch zu glauben ist und auf welche Weise wir kommunizieren, um die Leute zu erreichen. Dies hat auch mit der Veränderung der Medienlandschaft zu tun. Die Gemeinde ist deshalb ja kürzlich auch in den Bereich Social Media eingestiegen.

Was zeichnet Herisau aus? Worauf sind Sie stolz?
Ich erlebe die Gemeinde als offen. Sie lässt Neues zu. Die Einwohnerinnen und Einwohner sind meist positiv und interessiert. Wir haben ein lebendiges Gewerbe. Ich bin stolz auf die Menschen, die dazu Beiträge leisten. Auch auf jene, die sich in Vereinen engagieren. Sie tragen zu einer grossen Vielfalt der Angebote bei.

Welche Themen und Anlässe stehen 2026 im Vordergrund?
Ich freue mich auf gesellschaftliche Momente wie das Kinderfest, das Appenzeller Turnfest, die Hema. Es besteht zudem die Möglichkeit, dass wir am 23. Juli den Donnschtig-Jass des Schweizer Fernsehens in Herisau zu Gast haben – sofern unsere Gemeinde in der Woche zuvor das Jass-Duell gegen Gais gewinnt. Aber auch mit dem Bahnhof und anderen Projekten geht es vorwärts.

Was wünschen Sie der Gemeinde Herisau und der Bevölkerung im neuen Jahr?
Ich hoffe, dass die positive Entwicklung weitergeht und wir Herausforderungen gemeinsam meistern können. Ich wünsche uns, dass die Bevölkerung, wir alle, im Austausch bleiben. Und auf der persönlichen Ebene:

Liebe Herisauerinnen und Herisauer, 
bleiben Sie gesund und nehmen Sie sich Zeit für das Wichtige im Leben: Zeit für sich und Zeit für andere. Danke, dass Sie hier sind, und ich freue mich, Sie bei Gelegenheit im Dorf zu treffen.

Gemeindepräsident Max Eugster: «Ich freue mich auch auf gesellschaftliche Momente wie das Kinderfest, das Appenzeller Turnfest, die Hema.»
Gemeindepräsident Max Eugster: «Ich freue mich auch auf gesellschaftliche Momente wie das Kinderfest, das Appenzeller Turnfest, die Hema.»

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