Gesellschaftliche Themen zeigen sich in der Schule
Seit 25 Jahren ist Judith Schlumpf in der Schulsozialarbeit (SSA) tätig – seit 2017 in Herisau. Die Gesellschaft habe sich verändert, sagt sie. «Die Herausforderungen für Kinder, Jugendliche und den familiären Kontext wachsen. Dadurch werden die Fragestellungen ans System Schule komplexer. Die Schulleitungen, die Lehrpersonen und auch die SSA sind zusätzlich mit anderen Themen konfrontiert als noch vor Jahren.»
Schule schwänzen ist vermehrt ein Problem
Konflikte, Ängste und Sorgen, Suchtprobleme, Mobbing, familiäre Schwierigkeiten sind ein paar der Themen, bei denen die SSA Unterstützung anbietet. Das Bild der Gesellschaft spiegelt sich in der Schule. Deutlich zugenommen habe der Schulabsentismus, vor allem auf der Oberstufe, sagt sie. Deshalb haben die SSA mit dem Abteilungsleiter Alex Porta für die Absenzen einen neuen Handlungsplan erarbeitet. Auch zu anderen Themen wurden Papiere erstellt, als Leitfaden für die Lehrpersonen. Einzelne Äusserungen deuten in den zu betreuenden Fällen von Judith Schlumpf darauf hin, dass bei jüngeren Schülerinnen und Schülern bereits Motivationsschwierigkeiten beobachtet werden.
Vernetzung mit Fachstellen
Die SSA hat das Kindeswohl im Fokus, und dazu braucht es alle Beteiligten: die Eltern und Erziehungsberechtigten, die Lehrpersonen und die Schulleitungen. Hilfreich sei natürlich, wenn alle Beteiligten kooperieren, sagt Schlumpf. Und wenn die Bereitschaft nicht vorhanden ist? Dann heisse es, in der SSA kreativ zu sein, vielleicht einen Perspektivenwechsel vorzunehmen. «Die Schule Herisau arbeitet allgemein lösungsorientiert.» Zum Wohl des Kindes brauche es auch die Vernetzung mit anderen Fachstellen. In Herisau würden allerdings psychologische Therapieangebote deutlich fehlen.
Freut sie sich auf die Pensionierung? «Ja, vor allem darauf, dass ich meine Zeit frei einteilen kann.» Sie weiss auch, dass sie die Begegnungen mit Kindern, Jugendlichen, Eltern, Erziehungsberechtigten, Lehrpersonen, Schulleitungen und Fachstellen vermissen wird. Sie nehme viele wertvolle Erfahrungen mit, und dafür sei sie dankbar. «Es ist genau der richtige Moment zu gehen.» Sie sei keine, die im Voraus Pläne für den Beginn der Pension schmiede, ergänzt Schlumpf. «Ich bin bis zum letzten Tag vollständig in der Schule engagiert. Erst dann schaue ich weiter und warte ab, was auf mich zukommt. Ich bin offen für Neues.»
Dreimal 80 Prozent
Im Frühling 2025 gab es in der Herisauer Schulsozialarbeit eine Aufstockung von zwei auf drei Personen, weil der Bedarf gestiegen war. Als Judith Schlumpfs Nachfolger wurde per 1. August 2026 Christof Regli gewählt. Er wird wie seine Vorgängerin die Schuleinheiten Kreuzweg, Landhaus und Waisenhaus betreuen. «Die Ausschreibung hat grosses Interesse geweckt», sagt Abteilungsleiter Alex Porta. Die Schulleitung habe zahlreiche Bewerbungen entgegennehmen können. Dem SSA-Team gehören weiter Julia Pohl und Robin Müller an.
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