Reden, Singen und Tanzen gegen Mobbing
Was hat der 14-jährige Ilko aus dem Kanton Zürich mit den Klassen des Schulhauses Moos gemeinsam? Sie sind Teil des europaweiten Projekts «Say Hi!». Ilko sagt: «Als ich aus der Ukraine in die Schweiz kam und kein Deutsch konnte, wurde ich gemobbt.» Diesmal ist er mit dem Lied «Alli zäme» die Leitfigur dieser Aktion gegen Mobbing. Frühere Titelsongs kamen von Dana, Stefanie Heinzmann und Luca Hänni. SRF School stellt Unterrichtsmaterial zur Verfügung, um über Zusammenhalt, Ausgrenzung und Freundschaft ins Gespräch kommen.
Am Schluss Tanzprobe mit allen
Mitte September im Schulhaus Moos. Die rund 70 Primarschülerinnen und -schüler wechseln an diesem Nachmittag in gemischten Gruppen von Zimmer zu Zimmer. «Eins, zwei, Hochspringen, Klatschen…», tönt es am einen Ort. Hier werden Schritte geübt, vorgemacht von den Vorbildern auf dem Bildschirm. In der Turnhalle sind Kinder mit verbundenen Augen unterwegs: Es geht um Vertrauen, Zusammenarbeit, Wir-Gefühl. Im nächsten Zimmer wird das Lied geprobt: «Du, ich, er, sie, mir ghöred alli zäme…» Im obersten Stock sind Diskussionen angesagt: Was macht einen Freund oder eine Freundin aus? Wie fühlt es sich an, wenn man ausgeschlossen wird? Den Schluss des Nachmittags bildet die Tanzprobe im Freien. Aus den bis Ende September eingeschickten Filmbeiträgen schneidet SRF einen Videoclip zusammen. Und es findet die Verlosung eines Treffens mit Ilko statt.
«Systematisches Vorgehen gegen eine Person»
Der Herisauer Schulsozialarbeiter Robin Müller beantwortet Fragen zum Thema Mobbing.
Streitereien unter Kindern und Jugendlichen gehören zum Alltag. Worin unterscheiden sich diese von Mobbing?
«Konflikte werden offen ausgetragen, den Umgang mit ihnen dürfen und müssen Kinder lernen. Es ist wichtig, dies zu akzeptieren und zu begleiten. Kinder wie Erwachsene können viel aus Konflikten lernen. Bei Konflikten bleiben weitere Handlungen meist aus, wenn das Ziel erreicht ist. Es darf daraus kein Machtgefälle, keine Gruppierung oder Eigendynamik entstehen. Mobbing ist ein systematisches Vorgehen gegen eine Person.»
Welchen Stellenwert hat Mobbing in der Schule Herisau?
«Es ist ein dauerhaftes Thema. Mobbing kann sich mit Nutzung der digitalen Medien zusätzlich in den virtuellen Raum verlagern. Das
Wort Mobbing wird oft voreilig benützt. Die Schule muss wachsam bleiben, Merkmale von Mobbing erkennen und entsprechend handeln. Die deutliche Positionierung gegen Gewalt an der Schule hat grosse Bedeutung. Jeder und jede kann Mobbing erfahren. Kampagnen wie ‹Say Hi!› finde ich sehr gut, wenn sie auch nach dem Projekt Handlungsanweisungen und Anknüpfungspunkte mit sich bringen.»
Welches sind die wichtigsten Faktoren, damit ein Mobbingfall ein Ende findet?
«Einerseits die Stärkung der gemobbten Person, andererseits eine genaue Beobachtung und Abgleichung der Situation. Der ‹Täter› zieht aus Mobbing meist einen Antrieb oder Gewinn (Macht, Selbstwert). Es gilt, diesen zu identifizieren und zu bearbeiten. Wichtig ist auch, in Absprache mit dem Opfer und transparent zu handeln.»
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