Über die Schulter geschaut: Max Eugster
Max Eugster, wie kamen Sie zu Ihrem politischen Engagement für Herisau?
Mein politisches Interesse entstand bereits in meiner Jugendzeit. Bei uns zuhause wurden lebhafte politische Diskussionen geführt. So merkte ich früh, wie stark Politik in unser Leben eingreift und weshalb sie uns nicht egal sein sollte. Auch wollte ich meinen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben leisten. Bis ich schliesslich zum Gemeindepräsidenten gewählt wurde, durchging ich die sogenannte «Ochsentour».
Inwiefern?
Mein politisches Engagement begann – wie früher üblich – in einer Kommission. Ich war Mitglied der Feuerwehr- und Zivilschutzkommission Herisau. Dort nannte man mich den «Ofenloch-Max». Den Namen erhielt ich, weil ich Kaminfegerkontrolleur wurde. 1996 kandidierte ich erstmals für den Einwohnerrat, wurde jedoch nicht gewählt, was mich sehr enttäuschte. 1999 kandidierte ich erneut, diesmal mit Erfolg. Ein Jahr später wurde ich Mitglied der parlamentarischen Finanzkommission, die ich zudem von 2003 bis 2006 präsidierte. 2006 wurde ich dann in den Gemeinderat gewählt, 2021 erfolgte die Wahl zum Gemeindepräsidenten.
Welche Aufgaben haben Sie als Gemeindepräsident inne?
Ich führe die Ressorts allgemeine Verwaltung, Finanzen und Sport. Zudem bin ich unter anderem für die Führung des Gemeinderats zuständig und übernehme repräsentative Aufgaben. Dazu gehören etwa Besuche bei Jubiläen, beispielsweise bei einem 60. Hochzeitstag oder Geburtstage ab dem 95. Lebensjahr von Herisauerinnen und Herisauern. Diese Begegnungen schätze ich sehr. Generell bietet mir das Amt die Möglichkeit, viele spannende Menschen kennenzulernen. Auch die Teilnahme an verschiedensten Versammlungen gehört zu meinem Aufgabengebiet. Dies reicht von der Gemeindepräsidienkonferenz bis hin zu einer Hauptversammlung eines Vereins.
Wie sieht eine typische Woche bei Ihnen aus?
Wenn ich ins Büro komme, verschaffe ich mir zuerst einen Überblick über die Medien, um keine Neuigkeiten aus Herisau zu verpassen. Danach widme ich mich meinem Mail-Postfach. Täglich gehen rund 20 - 40 Mails ein, die es zu bearbeiten gilt. Meine Woche ist geprägt durch Sitzungen und Termine, repräsentative Anlässe ebenso wie koordinierende Besprechungen, etwa mit dem Kanton oder Dritten zu Projekten. Zudem führe ich regelmässig Betriebsbesuche durch. Diese teile ich mir mit dem Amt für Volkswirtschaft und Kultur auf. Mir ist wichtig zu wissen, wie es unseren Betrieben geht. Sie sind auf gute Rahmenbedingungen angewiesen und wir auf Arbeitsplätze. Herisau ist wirtschaftlicher Motor des Kantons, und dies gilt es zu pflegen.
Wie viel Gestaltungsfreiraum hat ein Gemeindepräsident?
Der Spielraum ist eher klein. Einerseits weil die Rahmenbedingungen zunehmend enger werden, andererseits weil die Arbeitsbelastung hoch ist. Das schränkt die Möglichkeiten ein – auch wenn ich mir manchmal mehr Freiraum wünschen würde. Zudem ist vieles, was man gestalten kann, mit Kosten verbunden. Hier gilt es, eine gute Balance zu finden. Ich möchte auf nachhaltige Projekte setzen, die langfristig Bestand haben und ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis bieten.
Welche Herausforderungen beschäftigen Sie derzeit besonders?
Aktuell sind es unsere Finanzen. Wir hätten gerne mehr Spielraum, die vorhandenen Mittel sind aber beschränkt. Diese Herausforderung nehme ich sehr ernst, bin aber auch überzeugt, dass die Verwaltung hier sehr diszipliniert arbeitet. Eine weitere Herausforderung ist die Zunahme der Regelungen und der Bürokratie. Eine Gemeindeverwaltung ist derjenige Teil der Staatsebene, der am wenigsten neue Regeln bestimmt, sich aber dennoch an alle halten muss. Das ist anspruchsvoll.
Wie sieht der Austausch zwischen Ihnen und der Bevölkerung aus?
Ich möchte für die Herisauer Bevölkerung ein offenes Ohr haben und stehe gerne mit ihr im Kontakt. Den Kontakt erlebe ich grossmehrheitlich positiv. Ich nehme ihre Anliegen ernst und versuche diesen, wenn möglich, nachzugehen. Natürlich kann es unterschiedliche Meinungen geben – das gehört dazu. Wichtig ist, dass man im Dialog bleibt.
Zugehörige Objekte
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